Die Raiffeisen Flyers Wels haben mit einem 95:89-Erfolg über den BC Vienna ein echtes Basketball-Märchen geschrieben und für eine der größten Sensationen der jüngeren Vereinsgeschichte gesorgt. Im Vorfeld der Partie war die Favoritenrolle klar verteilt: Wien reiste mit einer hochkarätigen Mannschaft an, gespickt mit zahlreichen neuen Legionären und praktisch in ABA-League-Besetzung rund um Gregor Glas und Rashid Mahalbasic. Doch was auf dem Papier eindeutig schien, entwickelte sich auf dem Parkett zu einem leidenschaftlichen Kraftakt der Welser, der am Ende verdient belohnt wurde.
Von der ersten Sekunde an war spürbar, dass die Flyers dieses Spiel unbedingt wollten. Wels trat als geschlossene Einheit auf, opferte sich in jeder Aktion auf und schenkte dem Gegner keinen Zentimeter Raum. Vor allem im ersten Viertel setzten die Hausherren ein klares Zeichen. Mit aggressiver Defense, hoher Intensität und mutigen Offensivaktionen versuchten sie, den Wienern sprichwörtlich die Schneid abzukaufen. Angeführt wurde das Team dabei von einem überragenden Marcus Azor. Der Spielmacher diktierte Tempo und Rhythmus, attackierte immer wieder den Korb und traf hochprozentig aus allen Lagen. Am Ende standen beeindruckende 35 Punkte und 9 Assists auf seinem Konto – eine Leistung auf absolutem Spitzenniveau.
Vienna ließ sich jedoch nicht abschütteln und nutzte seine individuelle Klasse, um zur Halbzeit knapp in Führung zu liegen. Viele Beobachter rechneten zu diesem Zeitpunkt damit, dass sich die größere Routine und Tiefe des Wiener Kaders in der zweiten Hälfte durchsetzen würde. Doch die Flyers hatten andere Pläne. Nach dem Seitenwechsel spielten sich die Welser regelrecht in einen Wurfrausch. Allen voran Starlin Inoa Gil zeigte einen seiner besten Auftritte im Profikader. Mit fünf verwandelten Dreipunktern war er der entscheidende Faktor bei der Wende nach dem Halbzeitrückstand und riss Publikum wie Mitspieler gleichermaßen mit.
Der Sieg hatte jedoch seinen Preis. Die Flyers gingen physisch an ihre absoluten Grenzen. Von Fintel, Tepic und Inoa Gil mussten das Spiel jeweils mit fünf Fouls vorzeitig beenden. Auch Azor und Jamison blieben nach harten Zusammenstößen nicht verschont, bissen trotz leichter Blessuren aber bis zur Schlusssirene auf die Zähne. Dieser bedingungslose Einsatz war sinnbildlich für den gesamten Auftritt der Welser.
In der hektischen Schlussphase behielten die Flyers die Nerven, trafen wichtige Würfe und verteidigten mit letzter Kraft. Als die Sirene erklang, war der Jubel grenzenlos. Coach Sebastian Waser brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir wussten, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir im ersten Viertel zubeißen. Dass wir uns dann in der zweiten Halbzeit in einen Rausch geworfen haben, war auch unserem Herz und Kampfgeist geschuldet. Unser Erfolg ist nicht hoch genug einzuschätzen. Es ist unglaublich, dass wir zum dritten Mal in Folge im Finale stehen.“
Ein Sieg, der in Wels noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Nun geht es am Sonntag, 4.1. um 18 Uhr im dritten Cupfinale in Serie für die Flyers, nun gegen die Hefte Helfen Kapfenberg Bulls.
Live auf ORF Sport+ !!!



















